Wirtschaftsförderung stärken


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Nicht immer gilt „viel hilft viel“. Das betrifft auch die Zahl der Mitarbeitenden im Unternehmen. Welcher Unternehmer kennt das nicht: in guten Zeiten wird zusätzliches Personal vor allem in der Verwaltung aufgebaut, von dem man sich dann wieder trennen muss, wenn es finanziell enger wird.

Das gibt es auch bei Stadtverwaltungen: die eine Kommune legt mehr wert auf Personal für soziale Dienstleistungen, die andere auf Personal für die Wirtschaftsförderung. In Velbert etwa besteht die Wirtschaftsförderung aus acht Mitarbeiter*innen. In Ratingen hingegen ist der Bereich der Wirtschaftsförderung seit jeher sehr schlank unterwegs, man kommt hier mit einem Bruchteil der Velberter Belegschaft aus. Denn in Ratingen haben sich die Bürgermeister immer als oberste Wirtschaftsförderer gesehen. Und das mit Erfolg.

Allerdings ist die Frage erlaubt, ob für eine Stadt von fast 100.000 Einwohnern auf Dauer 1,5 Mitarbeitende in der Wirtschaftsförderung ausreichend sind. Schon bei nur einem Krankheitsfall ist noch nicht einmal die Erreichbarkeit sichergestellt.

Aufgaben für die Wirtschaftsförderung gibt es jedenfalls zum Ende der Pandemie genug. Die Weiterentwicklung des Balcke-Dürr-Geländes ist ins Stocken geraten. Wegen der Pandemie haben Unternehmen, die schon in diesem Jahr dort einziehen wollten, ihre Pläne auf das kommende Jahr verschoben. Andere Unternehmen stellen fest, dass der Laden auch mit einem hohen Anteil von Mitarbeitenden im Homeoffice einwandfrei läuft – und hinterfragen den Umfang ihrer bisher geplanten Bürokonzepte.

Die Stadt selbst hat Bestandsimmobilien erworben, um durch Neuplanungen Einfluss auf zukünftige Unternehmensansiedlungen zu nehmen. Das geht aber nicht ohne geeignetes Personal.

Ratingen ist sehr gut durch die Pandemie gekommen, auch die wirtschaftlichen Einbußen haben sich in Grenzen gehalten. Für die kommenden Jahre wird mit wieder erheblich steigenden Gewerbesteuereinnahmen gerechnet. Das heißt nicht, dass nun das Geld mit vollen Händen ausgegeben werden soll. Die Unwägbarkeiten im Einnahmenbereich sind noch immer groß, die Ausgaben werden insbesondere im Bereich der Kreisumlage erheblich steigen.

Um aber den Aufschwung zum Ende der Pandemie für den Wirtschaftsstandort Ratingen zu nutzen, müssen Konzepte her – und Menschen, die diese umsetzen. Daher sollte der städtische Fokus nun auf einer auch personellen Stärkung der Wirtschaftsförderung liegen – damit man in einigen Jahren nicht über verpasste Chancen am Ende der Pandemie lamentieren muss.

Dr. Axel Mauersberger
Geschäftsführer
Unternehmensverband Ratingen e.V.