Für viele Ratinger Familien, die bezahlbaren Wohnraum suchen, ist die Wohnungssuche eine Herausforderung. Deswegen ist es wichtig, dass neue Wohnungen entstehen und die Stadt mitwächst. Der Vorstoß der Stadt Ratingen, Vorhabenträger über ein neues Folgekostenkonzept an den Kosten für den Ausbau von Kitas und Schulen zu beteiligen, ist deshalb grundsätzlich nachvollziehbar. Wer neue Baurechte schafft und dadurch zusätzliche Bedarfe an sozialer Infrastruktur auslöst, kann auch an deren Finanzierung beteiligt werden. Für die Stadt ist das ein Weg, die Folgen des Wachstums besser abzufedern.
Doch so berechtigt das Anliegen ist: Entscheidend ist, wie die Regelung ausgestaltet wird. Denn was wäre Ratingen ohne neue, moderne Wohnquartiere? Eine Stadt, der auf Dauer junge Familien, dringend benötigte Fachkräfte und damit auch wirtschaftliche Zukunftsperspektiven fehlen könnten. Viele Unternehmen haben sich bewusst für Ratingen entschieden. Damit sie hier bleiben und wachsen können, müssen auch ihre Beschäftigten passenden und bezahlbaren Wohnraum finden.
Gleichzeitig steht der Wohnungsbau angesichts hoher Bau- und Finanzierungskosten ohnehin unter erheblichem Druck. Zusätzliche Belastungen können deshalb den Ausschlag geben, ob ein Projekt noch wirtschaftlich darstellbar ist. Werden Vorhaben verschoben, verkleinert oder ganz aufgegeben, entstehen weniger Wohnungen. Das verschärft die Wohnraumknappheit und kann am Ende auch Mieter treffen. Eine gut gemeinte Regelung darf nicht dazu führen, dass dringend benötigter Wohnraum noch schwieriger entsteht.
Dass die Stadt und die Politik um einen Ausgleich bemüht sind, zeigen die Ergänzungen der Beschlussvorlage. Die vorgesehenen Freibeträge sollen kleinere Vorhaben entlasten. Auch die vorgesehenen Ausnahmen für öffentlich geförderten Wohnraum und genossenschaftliche Wohnbauvorhaben sind wichtige Signale.
Dennoch bleibt die finanzielle Belastung erheblich: Für Mehrfamilienhäuser und Nichtwohngebäude mit geplantem Erstbezug bis Ende 2030 sind 58,33 Euro je Quadratmeter oberirdischer Bruttogeschossfläche vorgesehen. Diese Kosten müssen Projektentwickler von Anfang an einkalkulieren.
Daher muss ein fairer Ausgleich zwischen den Anforderungen an die soziale Infrastruktur und den Bedingungen für neue Investitionen geschaffen werden. Die Beteiligung an Folgekosten sollte dort ansetzen, wo zusätzliche Bedarfe entstehen und zugleich die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Bauvorhaben im Blick behalten.
Denn Ratingen braucht beides: Kitas und Schulen, die mit der Stadt wachsen, und ausreichend Wohnraum für die Menschen, die hier leben und arbeiten wollen. Eine vorausschauende Stadtentwicklung bringt diese Ziele zusammen. Dafür braucht es das richtige Maß.
Hakan Cetin
Geschäftsführer
Unternehmensverband Ratingen e.V.