Für Ratinger, die in den Stadtteilen Tiefenbroich und Lintorf leben, ist der Fluglärm ein tägliches Ärgernis. Besonders störend sind bei Ostwind morgens um 6 Uhr die über Lintorf startenden Flieger. Insofern musste man den ursprünglichen Antrag des Flughafens mit dem Ziel einer Ausweitung der Kapazitätsobergrenzen äußerst kritisch sehen. Der neu formulierte Antrag zu einem Planfeststellungsverfahren, der im Kern die Kapazitätsdeckelung in den sechs verkehrsreichsten Monaten unangetastet lässt, aber mehr Flexibilität am Tag fordert, scheint für alle in der Region Betroffenen, für Bürger und Wirtschaft, ein vernünftiger Weg.
Denn was wäre Ratingen ohne den Flughafen Düsseldorf?
Sicher keine so wohlhabende Stadt, in der die Gewerbesteuern sprudeln mit zuletzt 200 Mio. €, die hier eine Infrastruktur und Bürgerleistungen möglich machen, von denen andere Gemeinden in NRW träumen.
Denn viele der in Ratingen ansässigen Unternehmen haben sich aufgrund der Flughafennähe für diesen Standort entschieden, der mitten in einem der größten Ballungszentren in Europa mit zirka 20 Mio. Einwohnern liegt.
Nach dem Einbruch in der Corona-Krise sind trotz dieses Nutzerpotenzials in der Region fast alle wichtigen Langstreckenverbindungen eingestellt worden und der Flughafen hat sich zu einem Zubringer für die großen Drehkreuze wie Frankfurt, München oder Paris zurückentwickelt. Düsseldorf füllt u.a. die Interkontinentalflieger in München, weil dort das Einwohnerpotenzial nicht annähernd vorhanden wäre.
Statt großem Fluggerät, das früher von Düsseldorf in die USA, China und Japan startete, dominieren hier neben Ferienfliegern jetzt kleine Zubringermaschinen.
Dabei wäre für die Wirtschaft die Reaktivierung der vor Corona existierenden Interkontiverbindungen nach USA, China und Japan sehr wichtig. Die neue Verbindung nach New York mit der La- Compagnie-Linie ist deshalb eine sehr gute Nachricht für unsere Region.
Mit dem neuen Antrag zielt der Flughafen Düsseldorf auch darauf ab, für neue Verbindungen die Voraussetzungen zu schaffen, indem die zwei Landebahnen bei notwendigem Bedarf flexibler genutzt werden können. Heute schreibt der Angerlandvergleich vor, die Nutzung der zweiten Landebahn eine Woche im Voraus zu beantragen, obwohl man zu diesem Zeitpunkt kaum abschätzen kann, wie dann Wetter, Unfälle oder Krisen das Verkehrsaufkommen beeinflussen. Die flexiblere Nutzung der zwei Bahnen ist essenziell, um neue Langstreckenverbindungen in Düsseldorf zu etablieren. Nicht primär mehr Flieger, sondern große statt kleiner Zubringer ist das Ziel.
Deshalb der Appell der Ratinger Wirtschaft an die Ratinger Politik, den Rat und die Bürgerschaft, den Antrag für ein neues Planfeststellungsverfahren des Flughafens durchaus kritisch, aber wohlwollend zu unterstützen. Denn der Flughafen bleibt unsere beste Wirtschaftsförderung und damit Garant für unseren Wohlstand.
Olaf Tünkers
Vorsitzender des Vorstands
Unternehmensverband Ratingen e.V.