Die Nachricht ist ein starkes Signal für den Standort Ratingen: ABB investiert 30 Millionen Dollar in den Ausbau seines Standorts und schafft mehr als 100 neue Arbeitsplätze. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ist das ein bemerkenswertes Bekenntnis zu unserer Stadt. Internationale Unternehmen investieren dort, wo Infrastruktur, Fachkräfte und Rahmenbedingungen stimmen.
Ratingen kann also weiterhin überzeugen.
Und dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf den neuen Doppelhaushalt 2026/2027. Denn er zeigt, dass selbst wirtschaftsstarke Städte heute genauer rechnen müssen als noch vor einigen Jahren.
Trotz hoher Gewerbesteuereinnahmen werden die finanziellen Spielräume kleiner. Die steigende Kreisumlage, hohe Investitionen in Schulen, Kitas und Infrastruktur sowie wachsende Pflichtaufgaben binden immer mehr Mittel. Das ist kein Ratinger Sonderfall. Aber der Haushalt macht sichtbar, dass wirtschaftliche Stärke allein nicht mehr automatisch für finanzielle Entspannung sorgt.
Dabei investiert die Stadt durchaus richtig. Gute Schulen, moderne Infrastruktur und eine attraktive Innenstadt sind längst keine Nebensachen mehr. Sie entscheiden mit darüber, ob Unternehmen investieren, Fachkräfte bleiben und Familien ihren Lebensmittelpunkt hier sehen.
Darin liegt eine Herausforderung für die kommenden Jahre. Ratingen muss wirtschaftlich stark bleiben und gleichzeitig weiter in seine Attraktivität investieren. Denn viele Beschäftigte erleben unsere Stadt bis heute vor allem als Arbeitsort. Andere Kommunen werben längst offensiv um Fachkräfte, Einwohner und Unternehmen. Dieser Wettbewerb wird härter.
Dass ABB jetzt in Ratingen investiert, ist deshalb eine sehr gute Nachricht. Solche Entscheidungen fallen langfristig und mit Blick auf Standortqualität. Sie zeigen, dass Ratingen weiterhin vieles richtig macht.
Der Doppelhaushalt sendet aber gleichzeitig ein leises Signal: Auch starke Standorte dürfen ihre wirtschaftliche Stärke nicht als selbstverständlich betrachten. Sie müssen aktiv daran arbeiten, attraktiv, modern und wettbewerbsfähig zu bleiben.
Dafür hat Ratingen weiterhin gute Karten.
Hakan Cetin
Geschäftsführer
Unternehmensverband Ratingen e.V.