Die Bemühungen des Unternehmensverbands Ratingen, eine Hochschule in der Stadt anzusiedeln, reichen weit zurück. Kooperationen wurden sowohl mit Hochschulen in der Region als auch mit Universitäten in anderen Bundesländern angestoßen. Bisher blieb der Erfolg jedoch aus. Mal war es einfach ein Zufall, der dazu führte, dass sich die Bedürfnisse von Einrichtungen änderten, denen man hier in Ratingen gerecht werden konnte. Mal war es die Kulturhoheit der Länder, an der eine Kooperation mit einer Fachhochschule aus einem anderen Bundesland scheiterte. Neben diesen, anfangs vielversprechenden, Bemühungen gab es auch Gespräche, bei denen die Verantwortlichen schlichtweg kein Interesse an einer Zusammenarbeit zeigten.
Aber es lohnt sich dranzubleiben. Denn die Unternehmen in Ratingen wollen einen Hochschulstandort. Eine Umfrage des UVR unter seinen 140 Mitgliedsunternehmen zeigte, dass das Interesse groß ist. Bereits weniger als zwei Stunden nach dem Start der Onlineumfrage hatten die ersten Unternehmen schon einen umfangreichen Fragenkatalog beantwortet. Genannt wurden zahlreiche Fachrichtungen. Spitzenreiter waren IT/Digitalisierung, Ingenieurwesen/Technik sowie Wirtschaft und Management.
Die Umfrage war jedoch nur ein Teil des Bildes. Namhafte Ratinger Unternehmen meldeten sich zurück und machten deutlich: Es gibt nicht nur Interesse, sondern einen konkreten Bedarf. Viele würden ihre Studierenden lieber an eine Hochschule in der Nähe statt zum Beispiel nach Baden-Württemberg schicken.
Auch die Stadt profitiert davon. Denn sind die jungen Leute einmal zum Studieren woanders, kommen sie vielleicht nicht wieder. Bleiben junge Menschen nach dem Studium anderswo, verliert Ratingen potenzielle Fachkräfte, Einwohner und Steuerzahler. Und über die alternde Bevölkerung Ratingens wurde an dieser Stelle schon häufiger geschrieben.
Ein Hochschulstandort bringt Ratingen zahlreiche Vorteile. In der Stadtplanung kennt man den sogenannten Campus-Effekt. Eine Hochschule fördert wirtschaftlichen Aufschwung und Innovationen. Die Stadt wird verjüngt und belebt; die Infrastruktur wird aufgewertet, die Kaufkraft steigt. Hochschulstandorte ziehen häufig Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und in bezahlbaren Wohnraum nach sich. Es folgt ein Imagegewinn für die Stadt.
Einen neuen Anlauf nimmt derzeit die Gründungsinitiative zum Bildungscampus Ratingen (BCR). Ziel ist die Gründung einer privaten Fachhochschule mit angeschlossener Weiterbildungsakademie, die Studium, berufliche Weiterbildung, Innovation und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbinden soll. Das engagierte Team des BCR hat die erwähnte Umfrage initiiert und inhaltlich ausgestaltet. Die Ergebnisse fließen nun in die weitere Planung des Projekts ein. Bleibt zu hoffen, dass dieser Anlauf gelingt. Die Unterstützung aus der Ratinger Wirtschaft ist jedenfalls vorhanden. Jetzt heißt es: dranbleiben.
Hakan Cetin
Geschäftsführer